Die Einreise nach Albanien war sehr unspannend. Wir standen ca. 15 Minuten in einer Autoschlange an der Grenze, haben unsere Pässe kurz dem Beamten gezeigt und konnten durchfahren. Kein Stempel. Nix. Ok gut. Das war wohl die Ausreise aus Montenegro, kommt ja sicher noch die Einreise nach Albanien. Aber da kam nichts. Also irgendwie sind wir offiziell in Montenegro eingereist und dann verläuft sich unsere Spur 👻. Also wir sind dann mal in Albanien.
Unser erster Stop sollte der Lake Skodra sein, den wir ja schon auf der Montenegrinischen Seite besichtigt haben. Dazu haben wir uns den Campingplatz Lage Skodra Resort ausgesucht – erstens liegt er direkt am See und zweitens mussten wir mal wieder Bettwäsche waschen. Bei dem Wort Resort hätten wir allerdings schon hellhörig werden müssen denn bei der Einfahrt auf den Campingplatz sieht man wieder die klassischen gleich großen Parzellen, perfekt gemähten Rasen und fast nur deutsche Kennzeichen. Hätte uns jemand erzählt, dass wir hier in Waging am See sind, wir hätten es direkt geglaubt 😅. Aber egal. Wir wurden herzlich empfangen, haben Benzo geparkt und – da es ja schon 14 Uhr war – gleich mal das Campingplatz-Restaurant getestet. Und für gut befunden. Wir hatten sensationelle gemischte Vorspeisen und herrlich weißes Weizenbrot. Ohne Nährstoffe versteht sich von selbst. 😜 Sooo lecker. Dann erstmal Bettwäsche und Handtücher gewaschen und den Tag ausklingen lassen.
Am nächsten Tag wollten wir uns die Stadt Skodra und die Festung Rozafa anschauen. Laut allwissendem Google macht man das am besten mit dem Rad. Puhhhh, echt jetzt? Also Autofahren (in meinem Fall beifahren) ist auf dem Balkan schon etwas anstrengender weil hier ÜBERALL ein Überholmanöver eingeleitet wird. Ob gut einsehbar, direkt VOR einer Kurve oder einfach nur lebensgefährlich. Aber gut, wenn man das hier so macht, warum nicht. Also Räder ausgepackt und auf der Hauptverkehrsstraße Richtung Festung losgedüst. Natürlich mit Helm, Bikeklamotten, Bikeschuhen und all dem Zeugs – wir waren natürlich die Einzigen mit dieser „Ausrüstung“. 😅 Und siehe da, es war sehr entspannt. Da neben dem Mercedes das Rad das meist genutzte Fortbewegungsmittel ist, wird hier wirklich Rücksicht genommen. Wir haben uns sehr sicher und wohl gefühlt und es hat richtig Spaß gemacht. Auf halber Strecke hat Toni gleich mal bei einem Frisör eingecheckt und kam mit einer – naja ich sag mal – sehr albanischen Frisur wieder raus. So richtig viel Lust hatte der Kollege wohl nicht. Also Helm drauf und weiter zur Festung. Die Festung Rozafa ist sehr sehenswert und ein schönes Ausflugsziel wenn man in der Nähe ist. Nach der Festung gings in die Stadt. Ich hatte auf einem Blog was von einem irre guten Fischrestaurant gelesen und das mussten wir uns natürlich reinziehen. Und es war gigantisch lecker. Einen hervorragenden Rucola Salat, frische Miesmuscheln, eine oberleckere Dorade, guten Wein und ein Tiramisu später haben wir uns wieder aufs Rad geschwungen und noch den Rest der süßen Innenstadt mit der großen schönen Moschee angeschaut und auf gleichem Wege wieder zum Campingplatz geradelt. Nicht ohne tausend mal gegrüßt, bewunken und angelächelt zu werden. Die Albaner sind so warmherzige Menschen. Wir lieben’s hier. Das Einzige was manchmal etwas störend ist, ist der Müll aber bisher hält es sich in Grenzen und wir haben es uns schlimmer vorgestellt.
Am nächsten Tag den 04.05. gings weiter. Eigentlich wollten wir ins Theth Tal aber nach einiger Recherche ist das mit unserem dicken Benzo recht eng und außerdem noch ziemlich kalt weil Berge. Auf kalt hatten wir keinen Bock mehr also war das nächste Ziel irgendwo bei Durres am Meer. Ich hab ein bissl rumgesucht und eine Bar/Restaurant – nur 20 km entfernt von Skodra – gefunden die so einladend klang, dass wir einfach mal dahin gefahren sind. Der Inhaber Mario hat neben der Bar einen Parkplatz auf dem man kostenlos stehen kann. Da wollten wir eine Nacht bleiben. Und sagen wir’s mal so. Wir sind gekommen um zu bleiben. Dieser Ort ist einfach ein Paradies mit wundervollen Menschen und einer richtig guten Energie. Mario und seine Familie sowie Suzanna (eine ganz liebe Deutsche die da hängen geblieben ist) haben uns herzliche empfangen, wir konnten Benzo in erster Reihe am Meer parken und uns dann erstmal in der Bar ein chilliges Plätzchen suchen und ein kühles Bierchen trinken. Den ganzen Tag läuft entspannte Musik, es gibt jeden Tag fangfrischen Fisch oder Scampi’s von Mario und Ola, Mario’s Frau oder Mario’s Mama machen super leckeren frischen Salat, leckeres Tsaziki, Brot und Kartoffeln. Punkt. Jeden Tag. Herrlich. Auf dem Tresen liegt ein Buch, da schreibt man seinen Namen rein und bedient sich einfach selbst am Kühlschrank und den Getränken und schreibt es ins Buch. Auf Vertrauensbasis. Aus einem wurden zwei, dann drei und schließlich 5 Tage an denen wir uns im Umkreis von ca. 30 Metern aufgehalten haben 😜. Es kamen und gingen viele tolle Menschen mit ihren Campern. Einige kannten wir schon aus Bosnien, Kroatien oder Montenegro und so war es irgendwie immer wie ein großes Familientreffen. Tagsüber kam ab uns zu mal ein Wildpferd am Strand entlang spaziert.
Unser Tagesablauf war ungefähr so: Aufwachen mit Meeresrauschen, Kaffee in der Bar, Aline Yoga am Strand, Toni lesen und bissl mit Zef (Marios Cousin) Sport machen – natürlich am Strand, dann Frühstück in der Bar, dann entweder lesen oder mit den anderen quatschen und abhängen, Mittagessen im Restaurant (besagtes Essen), dann sonnen oder lesen oder quatschen, dann Abendessen im Restaurant und den Abend mit Bier und Wein am Lagerfeuer ausklingen lassen. Ihr könnt euch vorstellen, wie vollgeschrieben unsere Seite in Mario’s Buch war. 🫣 Irgendwann mussten wir uns dann aber mal losreißen und weiter ziehen und so sind wir am 09.05. schweren Herzens und mit viel Umarmen und ein paar Tränchen in Richtung Tirana – der Hauptstadt – aufgebrochen.
Tirana ist eigentlich unsere zweite Wahl weil wir uns Durres anschauen wollten und uns Tirana wegen des Verkehrschaos eigentlich schenken wollten. Aber Durres soll nicht so schön sein und da sind wir kurzerhand doch nach Tirana gefahren. Auf den ersten Metern in der Stadt haben wir es mal kurz bereut. Aus zwei Spuren werden 4, jeder fährt irgendwie wild, überholt und dann muss man auch noch auf die Bäume aufpassen (weil wir ja sehr hoch sind). Also Stress pur. Aber keiner hupt und irgendwie funktioniert der Verkehr wie so eine Art Schwarmintelligenz – alle machen was und es funzt. Wir haben unbeschadet den ausgesuchten Parkplatz erreicht und sind gleich mal in die Stadt gedackelt. Wollten uns ein AirBnb nehmen um Klamotten zu waschen und einfach in der Stadt sein zu können. Aber der Parkplatz lag so nah an der Innenstadt, dass wir uns dagegen entschieden haben und unsere komplette Wäsche (14 kg) einfach in einer Wäscherei abgegeben haben. Unser netter Parkplatzwärter hat uns dann noch einen super Parkplatz ganz am Ende zugewiesen und gemeint, dass wir da wunderbar schlafen können. Das machen alle Camper so. Und außerdem ist die ganze Nacht jemand da und bewacht den Platz. Na also, läuft doch.
Wer gerne Essen geht, in Bars abhängt und leckeren Hafermilch-Cappu trinkt, der ist in Tirana genau richtig. Tirana ist die Stadt mit den meisten Café’s in Europa. Für uns eine Offenbarung. Wir haben uns richtig richtig dolle in Tirana verliebt. So eine coole Stadt. Hier pulsiert das Leben, Kirche neben Moschee, heruntergekommene Häuser neben schicken Hotels, gefühlt ist hier alles möglich. Die Cafés und Restaurants sind den ganzen Tag gut besucht. Und nicht nur von Touristen. Irgendwie haben wir uns gefragt, was die wohl alle hier machen und arbeiten wenn die Bars so voll sind. Also hat Toni in einem mega hippen Café einfach mal die zwei jungen Kerle angequatscht und gefragt was sie so arbeiten „what do you do for living?“. Die Antwort: Wir sind Fußballprofis und spielen bei Partisan Tirana (so was wie Bayern München). Ohhhh, dass waren dann wohl nicht die klassischen Tiraner. 😂 Jedenfalls waren die Beiden sehr nett (wir haben sie dann natürlich gegoogled und tatsächlich gefunden). und haben uns ein paar Tipps gegeben, was wir uns so anschauen können und wo wir essen gehen sollen. Gesagt, getan. Am Abend saßen wir gestriegelt und gebügelt im „Salt“ – dem Hugo’s von Tirana zwischen high society und Jogginghose. So ein cooler Laden mit sensationellen Fish Tacos 😍. Nach dem Essen durften wir in den oberen Stock um bei einem GT das Fußballspiel anzuschauen (also Toni das Spiel, ich die Menschen). Nach 3 Tagen Tirana – also 3 Tagen Restaurants testen – haben wir uns auch hier schweren Herzen losgerissen und sind ins Landesinnere gedüst.
11.05.2023: Berat – die Stadt der tausend Fenster. Die Stadt ist ca. 2000 Jahre alt und liegt im Bergland Zentral-Albaniens. Die Stadt ist umgeben von steilen Hängen und durch den Ort fließt der Fluß Osum. Die Stadt der tausend Fenster heisst sie weil die hervorragend erhaltenen Altstadtgebäude alle aufs Flusstal blicken und alle gleiche Fenster haben. Die einzigartige Architektur macht die Stadt zu einer der schönsten Albaniens. Seit 1961 ist sie offiziell Museumsstadt und seit 2008 UNESCO Weltkulturerbe. Richtig richtig schön hier. In den kleinen Gassen der Altstadt findet man süße Restaurants und kleine Tante-Emma-Lädchen. Geschlafen haben wir auf dem Parkplatz einer Autowäsche 😅 mitten im Ort. Bei der man by the way das beste Wasser ever bekommt. Wir haben ein Gerät um die Qualität des Wassers zu messen und die Autowäsche ist aktuell auf Nummer 1 (Zum Vergleich hatten wir in unserer Wohnung im Chiemgau einen Wert von knapp 300 ppm und das Wasser der Autowäsche 110 ppm). Da sagste nix mehr. Am Abend sind wir noch ein wenig durch’s Städtchen geschlendert und dann früh ins Betti. Für den nächsten Tag hatten uns eine ca. 13km lange Wanderung ausgesucht, die durch alle Gassen der Stadt über die riesige Festung, die über dem Ort thront, und dann durchs hügelige Hinterland verläuft. Wunderschön. Vor allem die Festung ist sehr sehenswert – so groß wie ein kleiner Ort mit vielen schönen Mini-Restaurants. Am Abend hatten wir uns eins der Restaurants in den kleinen Gassen ausgesucht – das Beratino und dort haben wir fantastisch gegessen, ein Typ hat auf der Ziehharmonika gespielt und Lieder geträllert und wir haben leckeren Wein getrunken. Viel Wein. Und der Typ mit der Ziehharmonika hatte Raki, auch viel Raki. Irgendwann kam Toni auf die glorreiche Idee ihm einen zu spendieren und das geht natürlich nicht ohne selbst einen Raki zu trinken und dann natürlich noch mit dem Inhaber und mit jedem Einzelnen der großen Truppe aus Stuttgart. Während ich mich mit zwei Mädels nett unterhalten habe, hat mein Mann 🤭 (immer noch etwas ungewohnt) sich ordentlich einen hinter die Binde gekippt. Und am nächsten Tag gelitten. Und auch am darauffolgenden Tag. Manchmal sind Regentage herzlichen willkommen. 🤣 Am 14.05. gings dann weiter Richtung Vlora an die Küste – natürlich nicht ohne den Benzo waschen zu lassen. Man muss wissen, dass es in Albanien fast an jede Straßenecke eine Autowaschanlage (also mit Hand waschen) gibt. Wir haben ganze 3€ für unseren Benzo bezahlt.
Auf dem Weg nach Vlora hat uns fast von der Straße geweht. Also das mit dem Wetter haben wir uns etwas anders vorgestellt. So viel Regen und Stürme haben wir eigentlich nicht erwartet. In Vlora an einem wunderschönen Strand angekommen haben wir uns erstmal ins Restaurant geflüchtet – zum einen hatten wir sehr Hunger und zum anderen wird man fast seekrank wenn der Benzo so hin und her schaukelt. Lecker gegessen und Vlora erkundet um dann festzustellen, dass hier außerhalb der Saison tote Hose ist und alles noch schläft. Also gut, fahren wir noch ein Stück südlich. Gelandet sind wir an dem Tag schließlich in Orikum – einem hübschen Ferienort (natürlich auch noch im Winterschlaf) mit einem fantastischen leeren Strand. Ach ja und Sturm. Leider waren alle Restaurants geschlossen und an Baden war nicht zu denken wegen besagtem Sturm. Jaaa es war tatsächlich warm (in Bayern würde man wohl von Fön reden) 🤣.
Gut, dann gehts schon wieder weiter nach Süden. Wir wollten über den Llogara Pass nach Dhermi. Ebenfalls ein wohl sehr schöner Badeort. Trotz des Wetter hatte ich mir irgendwie einen Strandtag eingebildet. Und ich kann ja schon auch stur sein wenn ich was wirklich will. 😇
Und dann gings über den Llogara Pass und es bleibt einem fast der Mund offen stehen. Die Landschaft ist einfach nur der Hammer. Nach oben gehts schön kurvig durch Wälder bis auf die Passhöhe. Dort erwartet einen dann eine atemberaubende Aussicht auf den Pass der sich nach unten schlängelt und auf die kilometerlangen hellen Sandstrände. Jaaaaaaaa, da will ich hin. Natürlich hat das Wetter …. NICHT mitgespielt. Noch nicht. Nach den natürlich klassischen Fotos hat Toni unseren Benzo galant nach unten gelenkt. Bremsen brauchen wir ja manchmal nicht so viel, das macht schon unser mächtiger Alkoven – hat also auch Vorteile. Dhermi ist bekannt durch seine schönen Beaches und den Beach Club mit verheißungsvollen Namen wie del Mare, Havanna und Flow Beach Club. Aber auch hier alles noch geschlossen. Die Saison hier im Süden Albaniens beginnt Mitte Juni. Es wird auch hier unfassbar viel investiert und es entsteht ein richtiges Luxus-Village mit kleinen Häuschen, Spa, Fitness und so weiter. Abgefahren. Irgendwann wollten wir uns dann ein Plätzchen suchen weil – kaum zu glauben – die Sonne rauskam und es auf einmal richtig schön warm war. Fündig geworden sind wir in Jalé – einem Mini-mini-Ort mit super schönem Strand und einer Bar bei der wir stehen durften. Die Anfahrt war endlich mal was für unseren 4×4 und Toni ganz glücklich weil über Stock und Stein ging. Die Inhaber des Ladens haben uns dann auch noch was zu essen gemacht und dann gings den weiten Weg (50 Meter oder so) ab an den Strand. Abends gab dann noch ein paar Bierchen mit dem Inhaber (Toni hat sich auch mal von seinem Besäufnis erholt) und dann ins Bett. Am nächten Tag – der Regen hat uns geweckt – wollten wir dann Richtung Ksamil – einem sehr bekannten und wohl besonders schönem Beach-Ort. Der Weg dorthin führt über die Berge aber meist mit Blick auf die abwechselnd herrlichen Sandstrände oder Steilküsten vorbei an grünen Feldern, Olivenhainen und an jeder dritten Kurve begegnet man entweder einer Kuh, ein paar Schafen oder Ziegen. Eine traumhafte Fahrt. Zwischendrin stoppen wir immer mal um ein paar hungrig aussehende Straßenhunde zu füttern. Manchen haben Angst und manche nur Hunger und einige wollen einfach nur gestreichelt werden. Das machen wir doch gerne. Halt gemacht haben wir in Saranda, einem schicken Badeort der gerade bis auf den letzen qm zugebaut wird mit Hotels und Beachclubs. Nicht so unseres aber wer’s mag. Ksamil entspricht da schon eher unserem Geschmack. Ein lässiger Ort, die Hotels cool und nicht so in die Höhe gebaut, perfekte Strände und Buchten, Beachbars und jede Menge tolle Restaurants. Unseren dicken Benzo konnten wir auf dem Parkplatz des Diamond Beach Clubs abstellen und haben da auch wunderbar geschlafen.
Geweckt wurden wir am 17.05. durch – na wer errät es? – genau Regen. Boah was hier vom Himmel kommt ist echt nicht mehr feierlich. Manche Straßen bestehen nur noch aus einer Riesenpfütze. Aber gegen Mittag hat der Himmel aufgerissen und wir konnten uns die 3km entfernte Ruinenstadt Butrint an der gleichnamigen Lagune anschauen, die 1992 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt wurde. Butrint ist eines der beliebtesten Touristenziele Albaniens. Hier haben ziemlich viele Kulturen ihre Spuren hinterlassen – wie so ein Straßenköter, jeder durfte mal drauf und hat ein bisschen was von sich dagelassen. 😂 Sehr beeindruckend und auf jeden Fall eine Reise wert. Parken kann man ca. 1 km entfernt auf einem großen Parkplatz auf dem wir mal nicht der dickste Camper sind. Ha! Neben uns steht nämlich so ein riesiger Overlander-LKW aus München. Und jetzt kommt’s – beide kenne ich von o2. So klein ist die Welt. Darauf ein Bierchen mit den Nachbarn.